Unsere Tradition

Das akademische Fechten

Gemäß unserer Tradition, um fit zu bleiben und für den gesunden Ausgleich zum Studium, nehmen wir Fechtunterricht. Diese Sportart stärkt die Gemeinschaft enorm, da jeder bei „Null“ anfängt und man sich zusammen hocharbeitet.  Ein professioneller Fechtlehrer unterstützt uns in diesem Vorhaben zweimal wöchentlich. Die Trainingseinheiten sind jeweils 90 Minuten und enden mit einem Ganzkörpertraining.

Die Mensur ist kein Duell, wie man es sich aus alten Märchen vorstellen könnte. Sie dient lediglich als Beweis, dass man hinter der Gemeinschaft steht und nicht nur „günstig wohnen“ möchte. Bei der Mensur zeigt man, was man in der Fechtstunde gelernt hat, indem man miteinander (nicht gegeneinander) ficht. Hierbei kann man nicht gewinnen oder verlieren, sondern man wird auf Technik (wie gut beherrscht man das Fechten) und die Moral (bleibt man ruhig und ist motiviert) bewertet. Verletzungen wie „Schmisse“ sind out und werden von uns nicht angestrebt.

Am besten man probiert es einfach mal aus, um sich eine eigene Meinung darüber zu bilden.

Gut zu wissen: Das akademische Fechten hat sich im 19. Jahrhundert in den Verbindungen etabliert, aus der Notwendigkeit heraus, dass sich die Studenten auf dem Weg zur Universität vor Überfällen schützen mussten – allerdings ist das Fechten für uns eine sportliche Herausforderung und hat nicht den Charakter eines Duells.

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Geschichte

„Die älteste derselben, Staufen genannt, hat unter ihren Mitgliedern stets die ehrenhaftesten Schüler gezählt“

Gottlieb Daimler (Erfinder des Automobils)  –  Max Eyth (Ingenieur und Schriftsteller  

–  Hugo Henkel (Chemiker und Industrieller)

 

Unsere Verbindung wurde 1847 als Liederkranz gegründet, da in den Anfangsjahren noch wöchentliche Singstunden stattfanden. Als Prinzip der Gesellschaft wurde kurzerhand die Freundschaft benannt, ganz bewusst in Abgrenzung zu anderen Verbindungen dieser Zeit mit „hochtrabenden Zwecken“ wie „der Erziehung zu guten Bürgern (…) oder auch von der Hebung der Technischen Hochschule oder wenigstens der Schüler, ferner von Einführung der Keuschheit unter den jungen Leuten und hin und wieder auch das Gegenteil, und dergleichen schöne Sachen mehr“, wie in einem Protokoll aus dieser Zeit zu lesen ist. Wenige Monate später wurden der Name „Gesellschaft Stauffia“ und die auch heute noch getragenen Farben Schwarz-Gold-Schwarz angenommen. Als Wahlspruch wurde „Licht, Luft, Wahrheit“ gewählt. Dies geschah in Anlehnung an die Freiheitsbestrebungen dieser Zeit, die in allegorischem Sinn unter „Licht“ die Ziele der Aufklärung, unter „Luft“ die Freiheit der Völker und unter „Wahrheit“ die Wahrheit der Gefühle und der Rede verstanden.

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Bekannte Persönlichkeiten im Corps Stauffia

Aus dieser Zeit gibt es eine Reihe von Stauffen, die später bekannte Persönlichkeiten wurden, zum Beispiel Gottlieb Daimler (Erfinder des Automobils), Max Eyth (Ingenieur und Schriftsteller), Friedrich Voith (Ingenieur Unternehmer) und Hugo Henkel (Chemiker und Industrieller). In einem Bericht des damaligen Direktors Dr. Kurr der Königlichen Polytechnischen Schule an dessen Vorgesetzten heißt es: „Verbindungen unserer Schüler bestehen seit einer Reihe von Jahren (…) Die älteste derselben, Staufen genannt, hat unter ihren Mitgliedern stets die ehrenhaftesten Schüler gezählt, (…) übt sich (…) in Gesang und Musik, hält Vorträge und Disputationen und duldet keine unfleißigen oder sonst unsoliden Schüler in ihren Reihen.“

1863 erfolgte dann die Konstitution als Corps. In der gleichen Zeit liegen die Anfänge des „Fünferbundes“, eines besonderen Freundschaftsverhältnisses zwischen unserem Corps Stauffia und den Corps Franconia Karlsruhe, Rhenania ZAB Braunschweig, Slesvico-Holsatia Hannover und Saxonia Berlin zu Aachen.

 

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Die Zeit des Nationalsozialismus

Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 versuchte die NSDAP, alle studentischen Verbindungen im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) gleichzuschalten. Einige Verbindungen gerieten in den Bann der Nazis, andere wollten sich dem „Führerprinzip“ nicht unterordnen und wurden in der Folge zur Auflösung gezwungen. Als Vorwand für die endgültige Auseinandersetzung mit den Corps diente der nationalsozialistischen Führung das „Heidelberger Spargelessen“, bei dem sich im Mai 1935 Angehörige des Corps Saxo-Borussia Heidelberg lautstark und öffentlich darüber unterhielten, dass Adolf Hitler seinen Spargel wohl quer essen könne – dank seines großen Mundwerks. Im Oktober 1935 wurde dann von der Mitgliederversammlung der Stauffia die Auflösung beschlossen, gleichzeitig wurde es aber abgelehnt, die Korporation dem NSDStB zur Verfügung zu stellen. Zwei Jahre später wurde aus den ehemaligen Stuttgarter Corps heraus die Kameradschaft „Götz von Berlichingen“ gegründet, wobei für die Namenswahl das wohl bekannteste Zitat aus dem gleichnamigen Schauspiel von Johann Wolfgang von Goethe nicht unerheblich gewesen sein wird: „Vor Ihro Kayserliche Majestät, hab ich, wie immer schuldigen Respect. Er aber, sags ihm, er kann mich im Arsch lecken.“

Die Nachkriegsjahre

Mit Ende des Krieges blieben zunächst alle Verbindungen verboten, jedoch konnte zum hundertjährigen Bestehen der eigentlichen Korporation im Februar 1947 die „Studentische Verbindung Stauffia“ konstituiert und schließlich 1951 auch der alte Name „Corps Stauffia“ wieder angenommen werden. In den Nachkriegsjahren wurde unter großem Einsatz das Corpshaus wieder aufgebaut, sodass wir heute über ein wunderschönes Haus verfügen, auf dem wir wohnen und studieren sowie unsere Feste feiern und Corpsveranstaltungen abhalten.